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Auf in eine neue Welt! Die italienische Auswanderung im 19. Jahrhundert

Aktualisiert: 12. Nov. 2025

Rund 20 Millionen Italiener haben in den letzen 150 Jahren ihr Heimatland für immer verlassen. Mit dem Thema Auswanderung bin ich in Kalabrien schon früh konfrontiert worden. Viele Menschen, die ich kennengelernt habe, waren bereits ausgewandert und sind zurückgekehrt , sind selbst im Ausland aufgewachsen oder haben Familienangehörige in aller Welt. Ich habe mich also gefragt, seit wann dieses Phänomen der italienischen Auswanderung besteht und habe schnell herausgefunden, dass das anfangs kein Problem Süditaliens war.

Familie am Hafen
Raffaello Gambogi, Gli emigranti, Public domain, von Wikimedia Commons

Warum wanderten soviele Italiener aus?


Tatsächlich spricht man von der italienischen Massenauswanderung, die sich in drei Phasen gliedert: Die Große Auswanderung (1876-1915), die Europäische Auswanderung (1945-1970) und die heutige, die besonders viele junge Menschen aus Italien forttreibt. In diesem Artikel möchte ich mich konkret der ersten Auswanderungswelle widmen und in weiteren Artikeln versuchen auch die beiden weiteren Wellen abzudecken.


Strukturelle Schwierigkeiten


Um also zu verstehen, was so viele Menschen bewegte auszuwandern, muss man zunächst verstehen wie der italienische Staat Ende des 19. Jahrhunderts aufgebaut war. Bis 1861 war Italien unterteilt in das Königreich Sardinien im Norden, in das Königreich beider Sizilien im Süden, und diverse Herzogtümer (siehe dazu meinen Artikel https://www.leduecalabrie.com/post/a-napoli-die-ehemalige-hauptstadt-des-k%C3%B6nigreichs-beider-sizilien).

Als 1861 das Königreich Italien geboren wird, hat Italien einen blutigen Krieg der von Nord nach Süd geführt wurde und der all die verschiedenen Reiche unter eine Krone bringen sollte, hinter sich.Trotz ihrer Diversität hatten alle Regionen Italiens eines gemeinsam:

Sie waren landwirtschaftlich geprägt. 50% des Bruttoinlandsproduktes und rund 60% der männlichen Arbeiter kamen aus der Landwirtschaft.


Altes schiff in schwarz weiß mit Passagieren
T.H. Wendt. (1907). Desembarque de imigrantes no Porto de Santos, 1907. Memorial do Imigrante de São Paulo.

Massenarbeitslosigkeit im Norden und vermehrt Auswanderung aus Süditalien


Als 1873 die Große Depression ganz Europa in Atem hielt, machten die Probleme auch vor Italien nicht halt. Durch die Industrielle Revolution fielen die Preise für Getreide auf den Weltmärkten so radikal, dass Italien mit seinen Getreidepreisen nicht mithalten konnte. Dies traf den Norden, wo hauptsächlich Getreide angebaut wurde, zunächst am stärksten. Anders als im Süden, der noch feudalistisch organisiert war, gab es in Norditalien zudem viele Kleinbauern, die mit den Weltmarktpreisen nicht mithalten konnten. Die Folge war Massenarbeitslosigkeit.Die Situation spitze sich zu, als die italienische Regierung Einfuhrzölle auf ausländische Produkte erhob um die inländische Produktion zu schützen, was die Abwärtsspirale nur noch verschärfte.

Besonders die Beziehung zu Frankreich, das viele Produkte aus Süditalien abnahm verschärfte sich durch die Zölle und so wurde es immer schwieriger Wein, Oliven und Zitrusfrüchte, die traditionell in Süditalien angebaut wurden, zu exportieren, da nun auch diese bezollt wurden.

Die Folge war, dass nun vermehrt Süditalier auswanderten. Hatte das feudalistische System im Süden die Arbeiter anfangs noch auffangen können, sahen die Arbeiter keinen Weg mehr ihre prekäre Lage zu verbessern als auszuwandern.


Doch wohin wanderten viele Italiener aus?


Aufnahmefreudige Länder fanden sich primär in Argentinien, Brasilien und den USA. Allesamt flächenmäßig große und zugleich dünnbesiedelte Länder, die sich gerade im Wirtschaftsaufschwung befanden und dringend Arbeiter suchten.

Argentinien und Brasilien warben um die Einwanderer sogar mit einem Stück Land und bezahlten oft die Schifffahrt in die neue Welt, die in den meisten Fällen in Neapel oder Genua startete und rund 2-3 Wochen nach Südamerika sowie 10-14 Tage in die USA dauerte.

Einmal am gewünschten Ort angekommen, fanden viele Italiener in den USA Arbeit in Minen, im Gleisausbau, in Fabriken oder als Handwerker, während sie in Brasilien vermehrt auf Kaffeeplantagen und in Argenitnien in der Landwirtschaft unterkamen.

Gute besuchte Einkaufsstraße
Mulberry Street in Little Italy, NY, Biblioteca del Congresso, Public domain, da Wikimedia Commons

Das Vermächtnis der italienischen Auswanderer


Die Spuren der italienischen Auswanderung kann man heute noch sehr deutlich in Argentinien spüren. Die sprachlichen Ähnlichkeiten zwischen Italien und Argentinien waren sicherlich ein Faktor, der die Integration der Einwanderer erleichterte.

Das argentinische Spanisch hat auch heute noch viele Einflüsse aus italienischen Wörtern oder sogar aus den italienischen Dialekten übernommen und auch die Aussprache ist dem Italienischen angelehnt.

Zwei Frauen in einem Hinterhof

Ein kleiner Hinterhof
Ein typische Einwandererunterkunft in La Boca, Buenos Aires, private Fotos aus dem Jahr 2009

Das Kultviertel La Boca in Buenos Aires


In die Zeit der Einwanderungswellen kann man sich heute zum Beispiel in Buenos Aires im berühmten Hafenviertel "La Boca" hineinversetzen. Die vielen bunten Häuser waren einst die erste Herberge für tausende Migranten aus aller Welt, die hier unter ärmlichen Bedingungen lebten. Aus der Not heraus nutze man den übrigen Schifflack um die Holz-und Blechhütten zu streichen. So entstand das für La Boca heutige typische Bild (siehe Fotos oben). Ein absolut sehenswertes Viertel in einer absolut sehenswerten Stadt!

"Hotel de Inmigrantes": Für viele Einwanderer der erste Aufenthaltsort


Das "Hotel de Inmigrantes" am Puerto Madero von Buenos Aires, das einstige Hotel in dem Einwanderer zunächst für 5 Tage kostenlos wohnen konnten, ist heute ein Museum und errinnert an die Zeit der Masseneinwanderung aus aller Welt. Das Hotel war wie eine Kleinstadt organisiert wo man alles fand, was man brauchte. Ein Krankenhaus, eine Bank, eine Post und sogar eine Arbeitsvermittlung, die die Arbeiter nicht nur vermittelte sondern ihnen auch praktisches Wissen an die Hand gab, das sie ggf. nicht hatten um so leichter eine Arbeit zu finden. Zum Beispiel den Umgang mit Maschinen, die in der Landwirtschaft zum Einsatz kamen. Besonders interessant finde ich, dass es auch ein Übersetzungsbüro und eine Bibliothek gab wo sich die Neuankömmlinge langsam mit ihrer neuen Heimat vertraut machen konnten.


Das Italienische Vermächtnis in der Welt!Schreibt mir!


Welche italienische Spuren in der Welt kennt ihr? Wart ihr gar schon mal in Little Italy, NY oder in Argentinien? Habt ihr selbst italienische Vorfahren, die ausgewandert sind? Lasst mir eure Kommentare da oder schreibt mir!Ich würde gerne mehr über eure Geschichten erfahren!


Hier könnt ihr euch auf Spurensuche begeben


Sehr interessant finde ich auch das CISEI-Internationales Zentrum für Studien der italienischen Emigration-hier kann man mehr über die Auswanderung erfahren aber auch nach konkreten Namen suchen und so Zeitpunkt der Auswanderung, Alter, Geburtsort und Namen des Schiffes der Auswanderer erfahren:







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