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Agriturismo Pingitore – Kalabresische Gastfreundschaft zwischen Tradition und Blick in die Zukunft

Heute nehme ich euch mit zum Agriturismo Pingitore in unserem Dorf in Luzzi, zu dem ich wahnsinnig gerne essen gehe. Ich wollte mehr über die Geschichte erfahren und traf Eugenio, den neuen „Frontman“ der Familie, der mit mir nicht nur darüber sprach, was man bei ihm alles erleben kann, sondern auch, welche Pläne er für die Zukunft hat und was es dafür braucht. Ich sage nur: die Jungen voran!


Eugenio Pingitore und ich in der Stube in der alles angefangen hat
Eugenio Pingitore und ich in der Stube in der alles angefangen hat

Ein Agriturismo der langsam gewachsen ist


Eugenio, wir sitzen hier gemütlich vor dem Kamin, die Tische sind gedeckt – welchen Stellenwert hat dieser Raum?

Tja, du sprichst etwas Interessantes an, denn der Agriturismo ist heute groß, doch noch zur Zeit meines Ururgroßvaters lebten hier in diesem Zimmer 14 Personen. Das war zur Zeit des Principe Vivacqua, für den meine Familie gearbeitet hat.

Wow, und seitdem gibt es euren Agriturismo?

Nicht ganz. Über die Jahrzehnte hat meine Familie immer mehr Land dazugekauft, und so haben wir 1994 den Agriturismo hier eröffnet. Wir waren neben zwei weiteren Agriturismi die ersten in der Provinz Cosenza.

Viel Land heißt bestimmt auch viel Eigenanbau. Was können Gäste bei dir erleben und verköstigen?

Wir folgen der Philosophie: Tutto a chilometro 0. Wir bauen so gut wie alles selbst an. Wir haben unser eigenes Gemüse, unsere eigenen Schweine, natürlich unseren eigenen Wein – den du ja auch gerne magst, wie ich gehört habe. Zudem haben wir hier 14 Zimmer. Unser Konzept ist einfach: Sonntags gibt es ein Menü zu einem Fixpreis (mehr Infos siehe unten). Aufgetischt werden nur lokale Produkte aus Eigenanbau oder von benachbarten Betrieben. Und das ganze Jahr über kann man bei uns übernachten und im Sommer auch den Pool genießen.


Neue Wege gehen...


Das klingt spannend und lecker. Wie kam es dazu, dass du hierher zurückgekommen bist, und war es für dich einfach, dich als Junger in der Familie zu positionieren?

Ganz einfach war es nicht. Ich bin jetzt 35 und habe einige Jahre bei einer Bank in Norditalien gearbeitet. Aber das hat mir irgendwann nicht mehr gefallen. Man gibt viel und bekommt wenig zurück. Um mir mein Studium zu finanzieren, habe ich in vielen Weinkellereien gearbeitet – ich liebe einfach Wein! Das ist meine große Leidenschaft. Meine Erfahrungen kann ich jetzt hier in unseren eigenen Weinanbau einbringen. Allerdings musste ich mich auch behaupten. Es ist klar, dass verschiedene Generationen unterschiedliche Perspektiven haben. Ich habe dann einen Plan erstellt, was ich vorhabe und wie wir den Agriturismo voranbringen können, und habe das meiner Familie präsentiert.


Ausblick vom Grundstück des Agriturismo Pingitore
Ausblick vom Grundstück des Agriturismo Pingitore

Was machst du heute anders?

Grundsätzlich möchte ich sagen, dass wir hier ein Team sind. Sonst geht es nicht. Wir arbeiten Hand in Hand. Zum Beispiel, wenn Olivenernte ist, sind wir alle auf den Feldern. Es hat zwar jeder seinen eigenen Bereich, aber grundsätzlich ist das hier ein Familienbetrieb. Mein Fokus lag darauf, die Zimmer auszubauen, um mehr Gäste empfangen zu können. Ich bin verantwortlich für unseren Laden im Dorf, wo wir unsere eigenen Produkte verkaufen, sowie für den Restaurantbetrieb. Ich versuche, so authentisch wie möglich zu sein. Beispielsweise gibt es in unseren Unterkünften kein typisches italienisches Frühstück mit Café und Cornetto – das bekommt man überall. Wir bieten stattdessen eigene traditionelle Süßigkeiten an, und es gibt Eier von unseren Hennen. Im Sommer gehe ich manchmal mit den Kindern der Gäste und wir holen die Eier gemeinsam. Außerdem konzentriere ich mich auf den Weinbau, auf lokale Kooperationen und darauf, Gäste aus dem Ausland hierher zu bringen.

Woher kommen deine Gäste?

Das ist sehr unterschiedlich. Im Winter kommen viele Sizilianer und Pugliesen, die hier im Sila-Gebirge Ski fahren. Im Sommer kommen viele Nordeuropäer, Kanadier und auch Südkoreaner. Die Bandbreite ist sehr groß. Ich arbeite mit Booking, da es die größte Plattform für unser Business ist – und es hilft!

Was schätzen deine Gäste hier?

Ich würde sagen: die Ruhe. Ich habe Stammgäste, die in ihrem städtischen Leben gestresst sind und kein Grün um sich herum haben. Die kommen dann hierher und wollen einfach nur hier sein! Ich schicke sie dann gerne nach Cosenza, um sich etwas anzuschauen, oder ins Sila-Gebirge zum Wandern. Bei uns im Dorf ist leider nicht viel los – da könnte die Stadt etwas nachhelfen.


Die Stube mit Nebenzimmer, der Agriturismo von außen und ein Stück vom weitläufigen Garten.

Wie meinst du das?

Ich meine, dass wir Privatleute natürlich selbst für unser Geschäft verantwortlich sind. Aber es hilft, wenn die Stadt Strukturen schafft, die für Touristen interessant sind. Bei uns ist das leider noch nicht so. Zum Beispiel haben wir hier die Madonna della Cava, wo die Madonna erschienen sein soll. Oder ein paar Kilometer von hier gibt es die Sambucina-Kirche, die einst in Dantes Inferno erwähnt wurde. So etwas könnte man Touristen zugänglicher machen.

Einen richtigen Boost haben wir erfahren, als Tropea 2020 zum schönsten Dorf Italiens gekürt wurde. Das hat regelrecht Besuchermassen angezogen. Und wir haben davon profitiert, denn Tropea ist nicht groß, und die Leute, die hierher kamen, haben Ausflüge gemacht und sich die Gegend angesehen.


Wie kann die kommunale Verwaltung lokalen Unternehmen helfen?


Es braucht also Unterstützung auf kommunaler und regionaler Ebene.

Auf jeden Fall. Die Region Kalabrien macht beispielsweise im Moment viel Werbung für Kalabrien – und das ist auch gut so.

Was würde dir als junger Unternehmer noch an Unterstützung helfen?

Es wäre gut, wenn wir uns in Kalabrien stärker zusammenschließen könnten. Wenn ich mit anderen Leuten in meinem Alter rede, funktioniert das ganz gut. So beziehe ich auch Produkte aus nahegelegenen landwirtschaftlichen Betrieben. Aber uns fehlen beispielsweise Verbände. Aus Kalabrien kennt man den Cirò-Wein. Der ist sehr gut, aber es gibt auch viele andere gute Weine. Diese haben international keine Chance, weil jeder für sich arbeitet. Wenn wir uns zusammenschließen würden, könnten wir mehr exportieren und bessere Aufträge von internationalen Weinimporteuren bekommen.

Das klingt logisch – und auch so, als wüsstest du genau, was es braucht. Mit welchen Träumen bist du hierhergekommen, und was sind deine nächsten Pläne?

Ich sage mal so: Ich hatte viele Träume und wenig Sicherheiten. Ich wusste nicht, ob es funktioniert. Aber ich sehe, dass es langsam vorangeht. Wir sind auf einem guten Weg. Als Nächstes möchte ich mich auf weitere Zimmer konzentrieren, um den Agriturismo weiter auszubauen.


So, langsam kommen schon die ersten Gäste. Ich mache dann noch ein paar Fotos für den Blog. Ganz lieben Dank für das Gespräch – und wir sehen uns das nächste Mal beim Essen!

Klar, ich danke dir! Mach so viele Fotos, wie du willst – und wenn du noch Infos brauchst, komm einfach vorbei!


Welche lokalen, traditionellen Unternehmen unterstützt ihr und was denkt ihr braucht es um um sie langfristig zu erhalten?

 
 
 

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